Samstag, 25. September 2010

Die Faszination der Gletscherwelt in einer klaren Vollmondnacht





Ein Aufstieg in einer klaren und kühlen Vollmondnacht, in Höhen über 3000 Meter in vergletscherten Regionen, stellt kaum mehr Anforderungen an die Fähigkeiten des Berggängers als bei einer Tagestour, insofern die Strecke bekannt ist. Zum Teil sind die verdeckten Gletscherspalten besser zu erkennen, als bei Sonnenlicht, da das fahle und flach einstrahlende Mondlicht den Schattenwurf der kleinsten Einsenkungen der Schnee- oder Firnbrücken besser erkennbar macht. Im Mondschatten zum Beispiel erzeugt durch eine Felswand ist allerdings ein Stirnlampe für eine sichere Begehung notwendig. Die Dämmerung auf einem höher gelegenen Eisfeld abzuwarten ist ein beinahe unbeschreibliches Naturschauspiel. Nach einem fünfstündigen Aufstieg, bei Vollmond, den höchsten Punkt eines hochgelegen Eisfeldes wie die des Petersgrat zu erreichen und anschliessend ganz alleine in absoluter Stille diesen langsamen Lichtwechsel zu erleben, kann für uns Urbane Menschen sehr eindrücklich sein und erfüllend wirken. Und das nicht weit weg, arctic live in unserer Alpenregion sozusagen um die Hausecke.


Ab 2900 Meter hat sich dieses Jahr wieder ein Firndeckel halten können.




Wo am Ende des letzten Sommers blankes Eis lag, hat sich ab ca. 2900 Meter ein bescheidener Firndeckel aufgebaut, beziehungsweise halten können. Das wäre dann zukünftig ein Eisnachschub. Leider schmilzt und bricht das nachgeschoben Eis in tieferen Lagen voraussehbar nach wie vor wieder. Ebenso der Permafrost und der damit verbunden Erosion der Felsen mit erhöhtem Steinschlag. Jedes mal wenn ich in bekannten Gebieten unterwegs bin, werden mir die raschen Veränderungen bewusst. Aufstiegsrouten von damals, welch mir Bekannte schildern sind in den Sommermonaten nicht mehr zu begehen. Dafür findet man im locker gewordenen Fels neue Klüfte, die den Schatz der Berge freigeben. Auch auf den darunterliegenden Geröllhalden findet man wieder vermehrt Bergkristalle die noch kein Strahler mitgenommen hat.



Samstag, 23. Januar 2010

Plädoyer für Werner Munter’s Buch 3x3 Lawinen

Die völlig neu überarbeitete Auflage mit dem Titel: 3x3 Lawinen des Wissens neuster Stand. Ein Werk, welches mich als "Alleingänger" zu überzeugen vermag. Es bestätigt mir, dass meine oftmals belächelte Vorsicht mich zu den Überlebenden gemacht hat. Meine Routenwahlen sind nicht immer so die "attraktivsten". Die Abfahrten die ich wähle gehören eben auch nicht zu den spektakulärsten. Die Gipfel sind auch so erreichbar, oftmals auf Routen die wenige bis keine begehen, weil länger und zuweilen anstrengender. Der Freiraum, welcher ich mir wünsche, befindet sich abseits vom Playground für übermütige. Die alpine, arktische Welt ist faszinierend. Abseits vom Freizeitpark-Alpen ist das selbständige Erkennen und Einschätzen von Gefahren wichtig. Das entsprechende angemessene Verhalten selbstverständlich auch. Die an uns gestellten Ansprüche fordern und formen uns. Der Freiraum fällt uns selten in den Schoss, er muss persönlich erarbeitet (erschlossen) werden.

Montag, 26. Oktober 2009

Es ist nicht die Zeit für Gletschertouren ...



... und doch ist ist gerade jetzt der Reiz besonders gross, eine frisch verschneite alpine, arktische und menschenlehre Landschaft zu durchqueren. Die letzten Schneefälle haben auf 2500 im Berner Oberland gesamthaft einen durchschnittlichen, nicht verfestigten Schneedeckel von 50 Zentimeter gebracht. Doch diese 50 Zentimeter nicht verdichteter Schnee, schafft keine tragenden Schneebrücken über den nun unsichtbaren Spalten. Nur wer die Fähigkeit hat vom Schnee verdeckte Spalten zu erkennen, kommt allein Schadlos durch die Eiswüste. Ausrüstung, Fähigkeiten, Konzentrationsfähigkeit und genügend Zeit (Geduld) sind bei diesen Bedingungen Voraussetzung um den Gletscher ohne Spaltensturz zu begehen.
Ohne den Einsatz genügend langer Sondierstöcke ist kein Durchkommen. Links und rechts der gezogenen Linien im Schnee fester Untergrund aus Eis, dazwischen die nicht tragfähige Schneebrücke über dem V-Spalt. Der 140 Zentimeter lange Sondierstock "geht ins Leere".
Die Breite des Spaltes kann überschritten werden. Dazwischen treten würde den Spaltensturz bedeuten. 500 Meter verschneiter, spaltenreicher Gletscher, kann bis zu einer Stunde Zeit brauchen.
Die Spitze des selber entwickelten Sondierstockes hat eine Tropfenform um den Schnee zu verdrängen, damit das Rohr ohne Reibung durch den Kontakt mit dem Schnee zu stark gebremst wird. Eine mindest 120 Zentimeter brauchbare Sondierlanze ist nötig, ein Eispickel reicht nicht aus. Ein zusätzliche eingepresste Hartmetallspitze macht den Stock auch auf blankem Eis und auf Fels zum Bergstock.





Montag, 12. Oktober 2009

Die Warmphase ist zu Ende



Die warme Zeit ist vorbei, die Gletscherseeli mit Ihren Grotten werden zufrieren. Der Schnee wird die Spalten überdecken oder zufüllen. Die Gletscherbegehungen werden in dieser Zeitphase schwieriger, weil die Schneebrücken noch zu wenig tragen. Es wird zeitaufwendiger und braucht ein höheres Mass an Konzentration und Fähigkeiten mit Sondieren die verdeckten Spalten zu erkennen, damit man sie umgehen kann. Die Erscheinung der Seejungfrau in der Grotte des Mutthorngletscherseeli wird nun für eine längere Zeit nicht mehr zu beobachten sein, sie wird in wärmere Regionen ziehen und wir hoffen alle, dass sie im nächsten Sommer wieder zurückkommen wird. Es werden arktische Bedingungen herrschen. Der Iglubau wird notwendig.



Freitag, 9. Oktober 2009

Ach ja da hätte ich beinahe vergessen das Blauseeli zu erwähnen

Ich kann einfach diesen smaragtfrabigen Seelein die vom Gletscherwasser gespiesen werden nicht wiederstehen. Wenn andere nur die Füsse mal kneippmässig hineinsetzen, will mein ganzer Körper in dieses kühle Element Wasser eintauchen. Da ist mir doch ein solches Seelein aufgefallen, welches sich beim Rückzug des Petersgrateises auf der Lötschentalseite noch nicht vor allzu langer Zeit gebildet hat. Ja und irgend jemand oder die Kartographen bei Swisstopo (vormals Eidgenössische Landestopographie) haben im den Namen Blauseeli gegeben. Ich nehme nicht an, dass dieser Nahmensgeber in durchschwommen hat, bevor er dem Seelein den Namen gegeben hat. Ich hätte ihm vielleicht, Petereiswasserkneippseeli gegeben. Immerhin hat dieses Seelein einen Namen bekommen, es gibt noch viele solche klaren Kaltwasserglungen, welche überhaupt keinen Namen bekommen haben.

So niedlich und harmlos liegt der Kanderfirn da ...



Noch einmal alles überschauen bevor der Schnee beginnt eine Decke über den Gletschereispanzer mit all seinen tiefen Spalten zu legen. Schnee, welcher Schneebrücken durch Auffüllen von Spalten oder durch Verwehungen bilden wird. Schneebrücken die wenig tragfähig sein können. Im Winter eventuell ausreichend tragfähig beim Begehen mit Skis. Ich habe mir die Spalten gemerkt und mir ist bewusst, dass es zu keiner Firnbildung gekommen ist dieses Jahr, der viele Schnee vom letzten Winter ist zum Teil bis aufs blanke Eis weggeschmolzen. Sehe mir die Situation vom Hockenhorn aus an. Die bekannten Skitourenrouten würde ich voraussagen, sind mit Vorsicht zu begehen. Ich denke dort wo neue grosse Spalten entstanden sind, wird ein Sondieren mit "Sondierstöcken" nötig sein, um die Spalten sicher umgehen zu können. Es wird mehr Zeit und mehr Konzentration brauchen. Es wird eine höhere Herausforderung sein und ich würde allen Skitourengänger, welche nächsten Winter/Frühling über Gletscher auf Höhen zwischen 2500 bis 3500 Meter eine Tour planen, empfehlen sich gut zu informieren. "Mein Revier" habe ich nun eingesehen, z.t. fotografiert, gangbare Routen mit dem GPS aufgezeichnent und Merkpunkte gesetzt. Ich will ja schliesslich diesen Winter mich im Revier umtun und etwas verweilen. Und dies zum grössten Teil alleine.