Donnerstag, 24. September 2009

Das unheimliche Knackgeräusch ...



An das unheimliche, knackende Geräusch, musste ich mich gestern beim Hochsteigen auf dem aperen Gletscher zum Petersgrat zuerst gewöhnen. Unter der Einwirkung meines Eigengewichtes bildeten sich neue Spalten. Der Kanderfirn floss mal in kältern Zeiten ca. 15 bis 20 Meter pro Jahr. Heute schätze ich, sind es 20 bis 30 Meter. In den wärmeren Jahreszeiten wohl eher schneller, wenn das Wasser zwischen Eis und dem Untergrund einen stärkeren „Schmiereffekt“ bildet. Auf einen Tag umgerechnet kann das schon mal 10 bis 15 Zentimeter pro Tag betragen. Kein Wunder, wenn unter Deinen Füssen ein neuer Riss mit kackendem Geräusch vor Deinen Augen entsteht. Alles ist in Bewegung, nichts bleibt ständig gleich. Es sind oftmals die langsamen Geschwindigkeiten, welche uns die dauernden Veränderungen nicht wahrnehmen lässt.

Freitag, 18. September 2009

Gletschergut




Strandgut gehört dem Finder!?! Das was der Gletscher durch Abschmelzen frei gibt auch? Bauholz von wo? Weit und breit keine Baustelle. Wie alt? Flugzeugteile wer hat Interesse daran. Man muss es einfach zusammenlesen, der Ordnung halber. Saubere Gletscherwelt! Unrat von Berggängern, eine rostige Konservenbüchsen, ist ja nicht so schlimm, sie rosten. Alte Hanfseilstücke. Rückstande eines Wetterballons. Na ja nimm es mal mit.





Gletscherschliff


Der Rückzug von Gletschereis offenbart einem aufmerksamen Berggänger, Einblicke in Zustände, welche nicht all zu lang stabil bleiben. In einem Zeitfenster von bis vielleicht vier Jahren, können vom Gletschereis geschaffene „Kunstwerke“ den Betrachter erfreuen. Das Gletschereis welches über den Fels gleitet, schafft eine glatte Felsstruktur. Je nach unterschiedlichem farbigem Geröll, welches zwischen diesem felsigen Untergrund und dem Gletschereis zermalmt wird, entstehen Schlemmfarben, die durch den Druck auf die glatte Felsstruktur zu haften kommen. Es entstehen farbige Bilder die aber über die Witterung nach und nach wieder verblassen.

Mittwoch, 16. September 2009

Übergangszone


So kontrastreich ist die Bergwelt. Der Übergang von den noch vergletscherten, arktischen Regionen in eine grüne, wirtliche Gegend findet hier in den Alpen auf kürzester Distanz statt. Einige Anstrengungen bedarf es hingen doch noch, da es dazu Höhenmeter zu überwinden gilt. Na ja, mit einem Helikopter schaffen es schlaffe Bürolisten bei einem „Betriebsausflug“ zu einem Apéro auf dem Petersgrat gerade mal in 15 Minuten. Ihnen entgehen leider diese reizvollen Übergänge. Von einer hochalpinen Auenlandschaft über sattes grün von Bergwiesen weiter über kleine Hochmoore zu Pionierpflanzen die sich auf dem Gletscherschliff angesiedelt haben, hinan zum blanken Eis bis ganz oben zum Firn wo sich dann je nach Wetter die Weitsicht über die höher Bergwelt öffnet. Das braucht dann schon so vier bis sechs Stunden Zeit auf den eigenen zwei Füssen mit Proviant aus dem eigenen Rucksack. Zum Glück aus meiner Sicht trampeln nur wenige durch diese unberührten Gegenden. So trinke ich das Wasser vom moosgen Stein, als müsse es Champagner sein. Weiter oben dann etwas Gletscherwasser und noch weiter oben aufgetauter Firnschnee.

Montag, 14. September 2009

Mystisch und ominös




Mich fasziniert die Eis- und Gletscherwelt auch bei unwirtlicheren Bedingungen. Es muss nicht immer strahlend blauer Himmel herrschen. Da ich mir gute orientierungs- und alpine Kenntnisse angeeignet habe, fühle ich mich sicher und kann die arktisch-alpine Welt, wenn ich alleine unterwegs bin, voll in mich aufnehmen. Freunde von mir nennen mich mal spasseshalber "Özi" und meinen gar, mein einstiges Schicksal sei doch der Erfrierungstot in einer Gletscherspalte. Ja und ich würde späteren Generationen einen grauseligen Fund bescheren. Na ja, ich kann es Ihnen nicht verübeln. Ein leidenschaftlicher Motorradfahrer erhöht das Riskio ebenso und der Leidenschaft entsprechend ist die Wahrscheindlichkeit grösser, dass der Abgang mit dieser Lebensweise verbunden sein könnte. Es gibt kein Leben ohne Leidenschaft, sonnst lebst Du nicht! "Lebe wild und gefährlich", mein Lebensmotto. Auch bei dieser Aussage will mir mein Freundeskreis manchmal eine fatalistische Lebenseinstellung unterstellen. Nun ja ich muss dies dann einmal (später) erklären, wie es sich so verhält mit diesem Motto und dass es in keiner Weise weder fatalistisch ist noch eine lebensrisikohaftes Verhalten damit gemeint ist. Am letzten Samstag 12.9.09 wollte ich eigentlich zur Mutthornhütte laufen um mich zu erkundigen, ob allenfalls ein Berggänger diesen vermissten Biwaksack gefunden hat. Ich war etwas spät drann und so liess ich mich so von mancher Eigenart des Kanderfirns ablenken. Heim brachte ich Eindrücke und einige stille und bewegte Bilder.

Freitag, 11. September 2009

Neue, grosse Gletscherspalten


Es ist bald Herbst aber die Nullgradgrenze ist tagsüber immer noch über 3300 Meter. Die Gletscher haben nach dieser Wärmeperiode im August riesige Spalten bekommen, wo sonst meines Wissens in den letzten Jahren noch keine waren. Mein Biwaksack, den ich am 6. August unter einer 80 cm dicken Schneeschicht auf dem Petersgrat eingrub, habe ich nicht mehr vorgefunden. Der Firn-Schnee ist komplett weggeschmolzen. Entweder hat ihn ein Berggänger mitgenommen, oder aber er wurde bei starkem Wind in die nahegelegene neue, breite und sehr tiefe Spalte gefegt. Ich konnte nicht in den Spalt absteigen um ihn zu suchen, weil ich nicht genügend Material zur Sicherung zum Abseilen und Eisklettern bei mir hatte. Nun, wenn das Wetter in der nächsten Zeit nicht schon viel Schnee bringt auf dieser Höhe, werde ich nochmals hochgehen und den Spalt untersuchen. Es wird im Winter gefährlich werden wenn man mit den Skis oder Schneeschuhen unterwegs sein wird dort oben. Die Schneebrücken aus Windverwehungen werden vermutlich nicht genügend tragfähig sein. Ich habe die gangbare Route auf den Petersgrat mit dem GPS genau aufgezeichnet und die Spalten mit Flags markiert. Ich weiss noch nicht, ob ich dieses Schee-Biwak bzw. Iglu im Winter bis in den nächsten Frühling nicht doch woanders hin verlegen soll. Beim Abstieg habe ich mir dann trotz meiner Betrübtheit ein dreiminütiges Eiswasserbad gegönnt, welches mich sehr belebt und erfrischt hat. Meine Gedanken über das arctic live projekt 09 haben sich dabei wieder aufgehellt.